Die Frage „Wo ist die nächste Ladesäule?“ führt öfter in die Irre, als sie hilft. Eine Säule 200 Meter entfernt, die mit 3,7 Kilowatt lädt, nützt bei einem Zwischenstopp nichts – während ein Schnelllader zwei Kilometer weiter in zwanzig Minuten erledigt, wofür man sonst den halben Tag stehen würde. Drei Fragen entscheiden.
1. Wie lange steht das Auto ohnehin?
Das ist die wichtigste Frage, und sie wird am häufigsten übersprungen. Wer ohnehin vier Stunden im Kino oder acht Stunden im Büro ist, lädt mit Wechselstrom günstiger und schont die Batterie. Wer eine Pause von zwanzig Minuten einplant, braucht Gleichstrom – alles andere ist verlorene Zeit.
Als Faustregel: unter dreißig Minuten Standzeit lohnt nur Schnellladen, über zwei Stunden lohnt nur Normalladen. Dazwischen entscheidet der Preis.
2. Was nimmt das Fahrzeug überhaupt an?
Die Leistungsangabe an der Säule ist eine Obergrenze, kein Versprechen. Beim Wechselstromladen begrenzt das Ladegerät im Auto: Viele Modelle laden mit 11 Kilowatt, manche nur einphasig mit 3,7 – an einer 22-Kilowatt-Säule ändert das nichts. Beim Gleichstromladen begrenzt zusätzlich der Ladestand: Über 80 Prozent drosselt fast jedes Fahrzeug deutlich.
Wer das eigene Auto kennt, spart sich die Enttäuschung vor der vermeintlich starken Säule.
3. Wie komme ich dort an den Strom?
Der Steckertyp ist selten das Problem – Typ 2 und CCS decken praktisch alles ab, was in Europa verkauft wird. Häufiger scheitert es an der Abrechnung: eine App, die ohne Mobilfunkempfang nicht startet, oder ein Betreiber, dessen Netz die eigene Ladekarte nicht abdeckt.
Deshalb steht in unseren Standortlisten, welche Bezahlverfahren gemeldet sind. Eine RFID-Karte funktioniert auch dort, wo das Netz schwach ist – ein unterschätzter Vorteil in Tiefgaragen.
Und wenn alles belegt ist?
Ladeparks mit mehreren Ladepunkten sind einer einzelnen starken Säule fast immer vorzuziehen. Die Zahl der Ladepunkte steht bei jedem Eintrag – vier Ladepunkte an einem Standort bedeuten praktisch immer eine kürzere Wartezeit als ein einzelner mit doppelter Leistung.
Ob gerade jemand lädt, weiß dieses Verzeichnis nicht: Das Ladesäulenregister ist ein Bestandsverzeichnis, kein Verfügbarkeitsdienst. Für den Belegungsstatus in Echtzeit braucht es die App des Betreibers.